10. November 2025
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Möglichkeiten, Perspektiven, Gefahren: Künstliche Intelligenz im Facility Management

Zum 30. Mal fand am 23. Oktober das Seminar zu Facility Management statt. Mit dem diesjährigen Titel «Facility Management im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz» war es höchst aktuellen Themen gewidmet. «In den letzten 30 Jahren waren wir von analog zu digital unterwegs», sagt einleitend der Organisator des Anlasses, Markus Burkhalter von der Consens Facility Management AG. Das Prinzip der Veranstaltung sei es, immer wieder nach den Themen zu suchen, welche die Fachwelt bewegten. «Mit KI, der Künstlichen Intelligenz, gibt es jetzt Hoffnung, dass die Planung im Facility Management effektiver, der Energiekonsum geringer und der Unterhalt einfacher wird.»

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Zuviel Komplexität birgt Gefahren

Der Einstieg ins Thema KI war dann philosophisch geprägt. Jakub Samochoviec, Forscher am Gottlieb Duttweiler Institut, stellte in einem geschichtlichen Überblick dar, dass sich in der Vergangenheit Gesellschaften, die immer komplexer wurden, auch wieder rückentwickelt haben. Das Paradebeispiel war das Reich der Römer, das viele geniale Erfindungen produzierte, die im Mittelalter nicht weiter angewandt wurden – so etwa Aquädukte. Es komme vor, sagte Samochoviec, dass Gesellschaften unter der eigenen Komplexität kollabierten. Als Beispiele für Anwendungen, die einen Schritt weg von der Komplexität bedeuteten, nannte er die Überwachung der Wasserqualität in Reservoirs durch Fische (es handelt sich um Elritzen), und die Erkenntnis, dass Kinder mit Laufrädern ohne Stützräder das Velofahren viel schneller und sicherer lernen. In der Diskussion wurde dann erwähnt, dass ein Zuviel an Komplexität Gefahren in sich berge, zum Beispiel in den vielen Datencenters und auch im öffentlichen Verkehr – siehe z.B. bei der Deutschen Bahn.

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KI fürs Raumklima

«Künstliche Intelligenz ist ein supernützliches Tool», sagte Romano Roth, Chief of Cybernetic Transformation & Partner, «aber wir stecken in einem Hype». Er hoffe nicht, dass die KI-Blase platze, könne das aber nicht ausschliessen. Es würden momentan von den grossen Firmen bei einem Umsatz von «nur» 120 Milliarden Investitionen von 1000 Milliarden getätigt. Laut Studien wurden aber nur etwa 5% der Firmen mit KI einen echten Mehrwert erzielen, 95% sähen keinen Einfluss auf ihre Gewinn- und Verlustrechnung. «Man sollte nicht überall KI draufklatschen», sagte der Referent, «sondern versuchen, die Komplexität zu reduzieren». Seine im Grundton eher skeptische Haltung zur KI gipfelte im Satz «wir leben im Zeitalter des KI-Idioten», den er aber gleich mit «…und trotzdem finde ich KI grossartig» relativierte. Er finde «KI ein fantastisches Werkzeug», sagte er, mahnte gleichzeitig aber auch: «Vorsicht, KI hat kein Gehirn, benutze dein eigenes».

Für den Einsatz im Facility Management sieht Roth trotz allen Bedenken viele Möglichkeiten. So könnten im Bereich Heizung/Lüftung/Klimatisierung durch KI Sollwerte automatisch angepasst und die Grundlasten damit gesenkt werden. KI erkenne im Gebäudeleitsystem Anomalien und könne die notwendigen Reparaturschritte einleiten. Wartungsberichte, Mietermitteilungen könnten mittels KI entworfen und müssten durch Fachpersonen nur noch ergänzt werden. An den Schluss seines Vortrags stellte Roth ein Wort von Ex-Schachweltmeister Garry Kasparow: «Die Zukunft ist nicht Mensch gegen Maschine. Sondern Mensch mit Maschine gegen Mensch ohne.»

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Ausflug nach China

Dietmar Treichel und sein Sohn Yannick Treichel vom privaten Institut für Kommunikation und Führung in Luzern stellten vor, was in China mit KI schon alles möglich ist. Yannick Treichel, der per per Zoom aus China zugeschaltet war, berichtete, dass China beim autonomen Fahren «viele Jahre» voraus sei. Wenn er zum Supermarkt in Hainan fahre, fasse er sein Lenkrad nicht mehr an, sein Fuss berühre kein Pedal mehr, und am Ziel werde sein Auto automatisch wegparkiert. In der Bankfiliale, im Hotel an der Rezeption und bei der Reinigung seien Roboter unterwegs.

Dietmar Treichel sieht in Zukunft zwei Arten von Unternehmen: «Jene, die KI in ihr Geschäftsmodell integrieren und jene, die untergehen.» Die «Zukunftsfähigkeit» sei eine Frage der Bildung: «Wir müssen die Menschen dazu bewegen, aus dem Industriezeitalter herauszukommen. Das ist die Aufgabe der Hochschule.» Am Schluss erwähnte er die Begegnung mit einem indischen Ehepaar in Luzern. Der Mann habe sich beklagt, dass hier alles so langsam gehe. Darauf habe die Gattin geantwortet. «Wir sind hier im Museum.»

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«Building Intelligence» – KI-System für Gebäude

Nächster Redner war Paul Bauman, Leiter für das Produktmanagement Daten und KI-Produkte bei Siemens Buildings. Es gehe darum, Systeme zu schaffen, die in der Lage seien, Aufgaben auszuführen, die typischerweise menschliche Intelligenz erforderten. Maschinen seien zum Beispiel sehr gut geeignet, um dafür zu sorgen, dass in Gebäuden Heizung und Kühlung so wenig wie möglich eingreifen müssten. Schliesslich würden Menschen 90% des Tages in Gebäuden verbringen, und da gelte es, ihre Produktivität zu erhöhen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für KI sieht der Referent in «datengesteuerten, zustandsbasierten Reparaturen». Die Vision sei «Building Intelligence», ein KI-System für das ganze Gebäude.

«Hässliche Vorstädte trotz Digitalisierung»

Am Roundtable am Schluss der Veranstaltung nahmen Ulrich Walder und François Chapuis, beides Bauingenieure und Informatiker, sowie Jakub Samochoviec teil. Bevor man etwas erfinde, müsse man zunächst die richtigen Fragen stellen, sagte Walder: «Früher hat man für die Statik von Brücken wochenlang gerechnet, heute passiert alles am Computer, aber schönere Brücken gibt es nicht. Und von Stockholm bis Sizilien gibt es die gleichen hässlichen Vorstädte.» Man müsse sich schon fragen, was wir eigentlich wollten. Nur alles schneller und billiger machen, sei keine Lösung, man verliere Lebensqualität, und die Umwelt leide. Dagegen setzt François Chapuis grosse Hoffnungen in die KI im Bereich, den er als Direktor Immobilien und Betrieb der Universität Zürich verantwortet. Allerdings gelte das für die Zukunft, im Facility Management bei den Uni-Immobilien sei KI noch nicht einsetzbar. Gefährlich sei es auch, wenn sich ein Betrieb von Microsoft oder SAP abhängig mache, das habe das Beispiel der Universität Hamburg gezeigt, die sechs Monate weg vom Netz gewesen sei. Chapuis nannte auch eine unglaublich hohe Zahl von Störungsversuchen an der Informatik der Uni Zürich: «Es gibt pro Tag eine Milliarde Angriffe auf unser System.» «Wo wollen wir eigentlich hin?» fragte der Gottlieb-Duttweiler-Forscher Samochoviec zum Schluss. «Die Menschen unterscheidet von Maschinen, dass sie etwas wollen. Die Maschine kann den Menschen helfen, den gewollten Weg zu gehen.»

Rudolf Burger